Ich kann nur jedem Anfänger raten sich die Spinnen auf Terraristik-Messen zu kaufen weil dort erstens die Preise um einiges günstiger sind als im Zooladen und die Verkäufer die Tiere selber züchten und meistens davon richtig Ahnung haben. Und man kann sich sicher sein, dass es eben Nachzuchten und keine Wildfänge sind, außer natürlich die Tiere sind ausdrücklich als Wildfang deklariert. Und das die Tiere das richtige Alter haben. Oft kauft man nämlich im Laden ne große Spinne, die dann nach 2 Jahren eingeht weil sie schon so alt war.Ich werde hier nur auf sämtliche Haltungsbedingungen meiner gehaltenen Arten eingehen und keine ausführliche Anatomiekunde betreiben.
Ich finde, als Hobby - Halter man sollte sich auf einige Spinnen beschränken und diesen dann richtige Terrarien anbieten und einrichten. Ich halte überwiegend Baumbewohner, die mir vom Aussehen her gefallen, also von der Farbe oder der Zeichnung.
Bei Baumbewohnern sollte das absolute Mindestmaß
20x20x30 betragen und bei Bodenbewohnern 30x20x20. Größer ist nie ein Problem (außer dass der Platz im Regal dann limitierter ist), man sollte nur zu kleine Spiderlinge, Jungspinnen (auch Slings genannt), nicht in für sie riesige Terrarien
setzen, weil es sonst Probleme mit der Futtersuche geben könnte bzw. kann es sein dass die Heimchen auf nimmerwiedersehen im Terrarium verschwinden. Ich habe meine ca 1,5cm große Avicularia in einer mittelgroßen Faunabox gehalten
und sie nach weiteren Häutungen umgesetzt in ein 30x30x40 Terri. Die meisten meiner Baumbewohner sitzen in 20x30x40iger Becken, die Kleineren in 20x30x30, die smithi in einem 40x25x30iger Terri. Meine neuen Slings sitzen alle in runden ca 10cm hohen Plastikboxen.
Die Einrichtung sollte einen geeigneten Bodengrund umfassen, ich verwende reine Blumenerde, man kann aber auch diese Kokosfaserziegel nehmen oder Pinienmulch, wenn einen der Geruch nicht stört. Bei feucht
gehaltenen Spinnen setzt man direkt weiße Asseln und/oder Springschwänze mit ein, die sorgen für ein schimmelfreies Terrarium. Die meisten Bodenbewohner
graben, dass sollte man bei der Wahl berücksichtigen. Da dann bitte keinen Mulch nehmen, der ist nicht grabfähig. Das bedeutet auch den Boden hoch genug einzufüllen, nämlich mindestens 7-10cm hoch. Den Bodenbewohnern sollte man eine Höhle anbieten, dass kann ein halbrundes Korkstück sein oder ein halb im Boden vergrabener Blumentopf. Baumbewohnern kann man
ausgehöhlte Bambusstämme oder Korkröhren anbieten oder man setzt eine Bromelienart ins Terri, in deren Trichter sitzen
diese auch gerne. Ebenfalls hübsch ist es, die Rückwand des Terris mit Kork, Kokosfaser o.ä. zu bekleben, damit man nicht auf die Tapete schaut, wenn man ins Terrarium guckt. Wenn man kreativ veranlagt ist,
kann man sich interessante Konstruktionen aus mit Aquariensilikon verklebten Korkstücken, Ästen usw. basteln und an den Scheiben oder der Decke festkleben.
Wenn mit Silikon gearbeitet wird, muß das Terri mindestens einen Tag durchlüften!
Ganz wichtig ist noch eine Wasserschale, sowohl für die Spinne zum trinken als auch zur Förderung der Luffeuchtigkeit. Die restliche Gestaltung ist reine Geschmackssache. Man kann richtige Pflanzen einsetzen, dann macht es etwas mehr Arbeit, da diese auch Ansprüche haben (Licht, Wasser), man
kann aber auch künstliche Pflanzen nehmen, die Spinne stört es nicht. Die meisten werden noch Kletteräste einbringen, bei Baumbewohnern müssen natürlich welche rein.
Denkt bei aller Kreativität auch daran, dass ihr die Futtertiere im Augen behalten könnt und nicht dauernd das Terri umräumen müsst, weil schon wieder ein Heimchen hinter irgendwas verschwunden ist.
Fehlt nur noch ein Thermometer fertig ist das Vogelspinnenheim!!!
Ihr werdet wahrscheinlich von den meisten Seiten eine Art Panikmache kennen, so in etwa : bloß nicht bei zu wenig Luftfeuchtigkeit halten, dann vertrocknen die Spinnen!
Gerade bei Avicularia gibt es in Büchern oft Fehlinformationen über die Feuchtigkeit. Dort wird fast immer eine LF von 70 - 80 % (manchmal sogar 80-90%!!!)
empfohlen. Das würde die meisten Spinnen umbringen, da sie einfach verschimmeln würden! Oft lese ich auch in Foren, dass die Spinnen unruhig versuchen die Scheiben des Terris hochzuklettern. Das liegt dann meist an einer zu feuchten Haltung.Also, eher trockener halten als in den Büchern angegeben! Dass im Regenwald eine so hohe LF herrscht,
steht außer Frage nur, da gibt es auch Wind. Im Terri STEHT die feuchte Luft und das ist Gift!
Um Feuchtigkeit ins Terri zu bekommen kann man entweder den Bodengrund gießen und/oder Wasser sprühen. Ich mach im Wechsel beides! Ebenfalls förderlich für die LF ist ein gut gefüllter Wassernapf und/oder Pflanzen. Ein Hygrometer ist in der Spinnenhaltung überflüßig, zumal man diese exakt und kompliziert eichen muß damit die vernüftige Werte anzeigen.
Einfach nur kaufen und rein ins Terrarium bringt nicht viel, außer falschen Anzeigen^^
Die Temperatur liegt in meinen Terris tagsüber bei 24 - 26 Grad und nachts bei 20 - 22 Grad. Ich heize mit einer normalen Klemmlampe oder mit einer Leuchtstoffröhre. Viele halten ihre Tiere nur bei Zimmertemperatur, was auch vollkommen in Ordnung ist. Was man gut durchdenken und testen muß,
ist der Gebrauch von Wärmematten oder - kabeln. Man muß aufpassen, dass es der Spinne nicht zu warm wird. Man darf niemals bei einer bodenbewohnenden Spinne eine Wärmequelle unter der Rückzugshöhle anbringen, da sich die Tiere vor
zuviel Wärme schützen indem sie sich tiefer eingraben... was in so einem Fall natürlich kontraproduktiv ist, weil es ja immer wärmer wird! Auch deshalb ist ein größeres Terrarium von Vorteil, denn hier kann ein Temperaturgefälle entstehen
und die Spinne kann sich ihre bevorzugte Temperaturzone aussuchen.
Die Beleuchtung ist auch eher Geschmackssache. Wenn man echte Pflanzen eingesetzt hat, sollte man eine Leuchtstoffröhre verwenden um geeignete Wachstumsbedingungen zu bieten. Ich benutze, wie gesagt, sowohl Halogenspots als auch Leuchtstoffröhren,
die sind beide hell genug UND geben Wärme. Ob man eine Zeitschaltuhr anbringt oder von Hand ein - und ausschaltet, ist ziemlich egal. Ich schalte seit Jahren meine Terris per Hand und habe keine Nachteile an den Tieren oder Pflanzen bemerkt!
Das Thema Futter ist relativ schnell abgehandelt. Vogelspinnen sind Lauerjäger, das bedeutet sie fressen lebende Beute. Ab und zu wird in Foren auch von Spinnen berichtet, die tote Tiere fressen, die mir persönlich bekannten haben das noch nie gemacht. Ihr könnt je nach Größe des Tieres Heimchen, Grillen oder Heuschrecken füttern. Dabei könnt Ihr euch an der KL der Spinne orientieren, obwohl meine Brachypelma vor Heimchen, die ihre KL hatten reißaus genommen hat und nur viel kleinere Futtertiere frißt. Probiert einfach mehrere Größen aus!Ihr braucht nicht, wie bei Reptilien empfohlen, das Futter mit Vitamin - und Mineralstoffpräparaten bestäuben. Da die meisten Spinnen dämmerungsaktiv sind, ist es sinnvoll die Fütterung auf die Abendstunden zu legen. Obwohl ich relativ viele heimchenfressende Tiere (Geckos, Spinnen) habe, züchte ich keine Futtertiere selber. Mir ist das wegen dem Geruch und der Gefahr des Ausbruchs zu riskant. Wenn man in die Heimchendosen alle drei Tage ein Stückchen Apfel oder Gurke steckt, halten sich die Insekten ziemlich lange. Die Anzahl der Fütterungen muß man austesten. Orientiert Euch an der Größe des Hinterteils! Es darf nicht einschrumpeln, was auch ein Zeichen von Austrocknung sein kann, aber es sollte auch nicht sehr viel größer als der Vorderleib sein, da sonst die Gefahr besteht, dass das Hinterteil bei einem leichten Sturz von der Scheibe o.ä. aufplatzt, was den Tod der Spinne bedeuten würde. Als Richtwert kann man die anderthalbfache Größe nehmen. Ich hab auch schonmal bei Slings wochenlang nicht gefüttert weil das Tier einfach "fett" genug war.
Ich beschreibe hier hauptsächlich Verhalten, welches man auch im Terrarium sehen kann. Interessante Verhaltensweisen gibt es bei Vogelspinnen jede Menge. Da wäre z.B. ihre eigentümliche Art sich fortzubewegen.
Sie bewegen ihre acht Beine in einem diagonalen Rhythmus zueinander, der besonders auffällt, wenn sie sich langsam bewegen.
Dabei werden die zwei Tarsen wie zwei zusätzliche Beine mitbewegt. Es sind ein bißchen wie eine Wellenbewegung aus! Ich finde diese Laufbewegung sehr anmutig und gucke ihnen dabei gerne zu. Da die Spinne schlecht sehen kann, erkundet sie so langsam ihre ganze Umgebung,
wobei sie zwischendurch immer wieder stillsitzt und abwartet.
Bodenbewohnenden Spinnen graben sich meist eine Höhle. Im Terri wird ihnen ja meist eine halbrunde Röhre angeboten, die auf dem Boden liegt. Diese wird allerdings nach den Vorstellungen der Spinne "umgebaut" und zwar indem sie die Höhle vertieft,
sprich weiter ausgräbt. Dazu nimmt sie Erde zwischen ihre Tarsen und Chelizeren, trägt sie raus und
schleudert sie vor die Höhle. Sieht sehr heftig aus, ich hab mich sehr erschrocken, als ich das sah! Wenn sie das ein paar Mal gemacht hat, befindet sich im Terri auf der einen Seite ein Erdhügel. Meine hat ihre Höhle tiefer gemacht und die Erde genau davor platziert,
sodass man relativ schlecht reingucken kann.
Außerdem hat sie den Eingang und den Hügel leicht eingesponnen um immer zu wissen, was vor ihrem Bau so passiert. Als Lauerjäger sitzt sie dann den ganzen Tag ruhig auf einem Fleck und wartet darauf, dass Beute vorbeiläuft. Wenn das geschieht,
beißt sie innerhalb von Sekundenbruchteilen zu und zieht sich dann sofort mit der Beute in ihre
Höhle zurück. Dort wird das Futter verflüssigt und verspeist. Vogelspinnen haben im Regelfall nicht, im Gegensatz zu den Netzspinnen, die Angewohnheit, das Futter komplett einzuspinnen und Vorräte zu machen.
Eine Verhaltensweise ist für den Vogelspinnenhalter besonders unangenehm, nämlich die erste Verteidiungsmaßnahme der Spinnen: das Bombadieren mit Brennhaaren! Da eine Spinnen gegenüber größeren Fressfeinden ziemlich ungeschützt ist, hat sie eine Verteidigung entwickelt,
die sich sprichwörtlich in das Gedächtnis
einbrennt. Vogelspinnen aus Afrika und Amerika besitzen sog. Brennhaare, die das Abdomen (Hinterleib) der Spinne bedecken. Wähnt sie sich in Gefahr, streckt sie den Hinterleib hoch und streicht sich mit sehr schnellen Bewegungen des letzten Beinpaares die Brennhaare vom Hinterleib. Diese sind mit kleinen Widerhaken versehen und
reizen besonders die Schleimhäute des vermeindlichen Angreifers. Für Nager, die sich schon auf einen Leckerbissen freuen eine einschneidende Erfahrung! Für den Vogelspinnenbesitzer eher eine lästige, da die Spinnen auch meist ihr Gespinnst damit auskleiden und somit bei Reinigungsmaßnahmen ebenfalls Haare an die Finger
der Pfleger kommen können (und dann naürlich auch schnell in die Augen oder an die Nase...). Ob eine Spinne diese Verteidigungsmaßnahme anwendet, hängt oft von dem Temperament der Art ab. Es gibt Spinnen, die nie bombadieren und welche, die bei der geringsten Störung sofort bombadieren. Die letzte Verteidigunsgmaßnahme ist
ein Biss. Der kommt aber, wenn man den Angaben in den Büchern und den Berichten in den verschiedenen Foren glauben kann, bei sachgemäßem Umgang mit dem Tier kaum vor.
Man sollte eine Vogelspinne als das akzeptieren, was sie ist nämlich ein Wildtier, welches man weder zähmen, an sich gewöhnen oder dressieren kann. Da ist es nicht verwunderlich, dass ich gegen das Anfassen der Spinne bin. Dafür sind sie nicht gemacht! Mal abgesehen davon, dass die Gefahr besteht, dass sich das Tier verletzt bei einem Sturz aus großer Höhe
(wenn man sie auf dem Arm sitzen hat und sie sich auf einmal schnell bewegt, KANN man schonmal erschrecken...) und dann abhaut oder der Mensch als Bedrohung gesehen und dann nunmal gebissen wird. Wenn es der Spinne gut geht, besteht keine Notwendigkeit das Tier anzufassen. Fangen kann man sie mit einer Heimchendose, falls das mal nötig sein sollte.
Ansonsten sollte man sich am Beobachten dieser interessanten Tiere erfreuen und dafür sorgen, dass sie sich in ihrem Terrarium wohl fühlen!!!
Zum Thema Vogelspinnen gibt es einige Bücher, ich stelle hier mal die vor, die gut finde, da sie sowohl informativ als auch hilfreich sind.
"Vogelspinnen im Terrarium" von Martin Meinhardt, ist zwar mit knapp 20 € nicht grad günstig aber ein tolles Buch mit sehr detaillierten Berichten zur Haltung und Zucht sowie Einrichtung von Terris. Der Artenteil ist auch ziemlich ausführlich. Wenn man sich nur ein Buch zum Thema
Vogelspinnen kaufen will, sollte es dieses sein.
"Vogelspinnen" von Volker von Wirth, ist wie alle GU-Ratgeber kurz und knackig. Immer informativ und gut bebildert, aber durch die kleine Größe nicht besonders ausführlich. Als Einführung bzw. als Entscheidungshilfe ob eine VS überhaupt gewollt ist oder, wie bei mir, als Bei-Buch durchaus geeignet und mit 8 € wirklich nicht teuer.
Mittlerweile gibt es auch sehr gute Bücher zu vielen einzelnen Arten, z.b. die Reihe "Art für Art" aus dem NTV Verlag. Die Titel liegen alle so um die 10Euro und bieten gute Informationen und schöne Bilder.