Kornnattern sind ideale Schlangen für Anfänger: Sie sind sehr aktiv, nicht giftig oder aggressiv, in der Haltung anspruchslos (ähnlich wie Leopardgeckos)
und es gibt sie in unglaublich vielen Farb- und Zeichnungsvarianten. Trotzdem kann man sie natürlich nicht in einer Box oder so halten, da sollte man schon ein Terrarium mit der Mindestgröße
100x50x50 herhalten. Man erwirbt eine Kornnatter am besten bei einem Züchter vor Ort, da Reptilienbörsen, im Gegensatz zu Vogelspinnen, nicht der ideale Ort sind um eine Schlange zu kaufen. Die Tiere sind
extrem gestresst und man kann die Haltungsbedingungen des Verkäufers nicht sehen. Es gibt jede Menge Kornnatterzüchter in Deutschland, da sollte sich einer in der Nähe finden lassen.
In ein Kornnatterterrarium gehören ein Versteck, eine Wasserschale und einige Kletteräste sowie Lampen zur Beleuchtung bzw. Wärmeerzeugung. Als Versteck können viele Dinge dienen, Korkröhren,
Tonblumentöpfe, fertige Kunststoffverstecke, oder wenn man kreativ genug ist und Zeit hat kann man auch eine Höhle selber basteln aus Styropor und diese mit Fliesenkleber und Klarlack versiegeln (Anleitung gibt es zuhauf im Internet).
Die Wasserschale muss nicht groß genug sein, dass die ganze Schlange hineinpasst, wenn dann ist das aber auch nicht schlimm. Kletteräste sollten gut verankert, verschraubt oder sonst wie
gut im Terrarium befestigt sein, damit die Tiere diese nicht runterreißen. Am Besten nimmt man zwei verschiedene Lampen: eine Leuchtstoffröhre für die Helligkeit und einen Spot für die Wärme.
Der Spot muss entweder so angebracht sein, dass die Schlange nicht drankommt oder man bringt einen Schutzkorb an, der aber wirklich dicht sein sollte weil wenn eine Schlange da eindringt und nicht mehr rauskommmt,
ist das schlimmer als wenn gar kein Korb da gewesen wäre. Man sollte mit dem Spot eine warme Stelle von ca. 30/31grad hinbekommen und im Rest des Terrariums sollten es so 25-28grad sein. So kann
sich die Schlange die für sie im Augenblick angenehme Temperaturzone aufsuchen. Und als wechselwarmes Tier braucht sie eine Wärmequelle um auf Temperatur zu kommen.
Als Bodensubstrat kann man Erde nehmen oder Korkschnitzel oder nicht staubendes kleintiereinstreu. Ich habe mich für die letzte Variante entschieden,
da man hier die Ausscheidungen gut sehen kann, es nicht verhärtet oder leicht schimmelt und weil es recht schick im Terrarium aussieht.
Bei der Frage nach der Größe des Terrariums bekommt man fünf verschiedene Anworten wenn man fünf verschiedene Leute fragt. Ich halte ein Mindestmaß von 100x50x50 für ausreichend, ein anderer
wird da aufschreien und nach dem Tierschutz rufen. Hört Euch verschiedene Meinungen zu dem Thema an und entscheidet dann, welche Größe ihr für die geeignetste erachtet. Weil für ein Tier,
welches in freier Natur jeden Tag Kilometer zurücklegt, ist es relativ egal ob das Terrarium 100x50x50 oder 120x80x100 groß ist. Teilweise wird sich in Foren wegen 20cm bis aufs Blut gestritten,
was ich einfach lächerlich finde. Die Tiere sind extrem anspruchslos, was sich daran zeigt, dass sie bei großen Züchtern (sowohl hier als auch im Ausland) in Racks gehalten und dort ohne Probleme
nachgezogen werden. Im Fall der Kornnatter bin ich nicht für eine Rackhaltung, beim Königspython dagegen schon. Diese zwei Schlangenarten haben allerdings eine voneinander gänzlich verschiedene
Lebensweise. Das Terrarium selber sollte nicht aus Glas sein, da sich in einem Glasbecken die Wärme nicht so gut hält wie in einem Holz- oder Kunststoffterrarium und man an der Rückwand eines
Glasterrariums nur mit Tricks Vorsprünge oder ähnliches bauen kann. Ob man jetzt einen fertigen Bausatz aus OSB-Platten
kauft oder sich selbst die Platten im Baumarkt zuschneiden lässt, bleibt auch wieder jedem selbst überlassen. Es gibt kreative Leute mit jede Menge Zeit, die kunstvolle Biotope bauen, die dann
auch wirklich fantastisch aussehen. Es ist aber nicht notwendig.
Auch die in Foren oft als MUSS dargestellte Einzelhaltung verliert an Druck, wenn man mal die unzähligen Züchter fragt. Die meisten halten, natürlich auch oft aus Platzgründen,
zwei Nattern, manchmal auch ganze Gruppen (da aber meist Weibchen) in einem Terrarium ohne Probleme seit Jahren. Wichtig ist hierbei dass man die Geschlechter auf jeden Fall getrennt halten sollte, um eine Verpaarung zu unterbinden.
Selbst die Züchter bringen ihre Zuchttiere nur zur Paarungszeit zusammen und halten sie den Rest des Jahres getrennt. Ein guter Züchter wird einem immer das richtige Geschlecht seiner Tiere sagen können. Das sog.
"Poppen" wird von den erfahrenen Züchtern meistens direkt nach dem Schlüpfen der Jungtiere durchgeführt. Dabei wird der Kloakenbereich des Tieres in Richtung des Schwanzes massiert/gedrückt, sodass bei
männlichen Tieren die Hemipenisse hervor"poppen". Dann ist das Tier sicher als Bock bestimmt. Manchmal allerdings stellen sich durch Poppen bestimmte Weibchen beim nochmaligen Poppen einige Zeit später als Böcke
heraus, die beim ersten Mal gekniffen haben. Aber wenn man die Hemipenisse sieht, kann man zumindest 100% sicher sein, ein Böckchen in der Hand zu halten. Aufgrund der Verletzungsgefahr bei den zarten kleinen
Tieren sollte diese Art der Bestimmung nur von erfahrenen Leuten vorgenommen werden. Der Tierarzt kann das Geschlecht noch durch sondieren bestimmen. Dabei wird eine kleine Knopfsonde in die Kloake eingeführt und dringt
beim Bock deutlich tiefer ein als bei einem Weibchen.
Die unzähligen Farbvarianten der Kornnatter haben das Tier so interessant für die Terraristik gemacht. Alle Varianten sind rezessiv, das bedeutet man bekommt bei einer Verpaarung zweier Tiere einer Variante nur
wildfarbene Tiere als Nachkommen, die dann heterozygot für die Variante sind. Diese bei Geschlechtsreife wieder verpaart geben dann mit Glück die Farbvariante auf die man hingearbeitet hat. Diese, teilweise doch
recht komplizierten Genverläufe, machen die Kornnatterzucht nicht einfach und wer denkt dort mal eben einsteigen zu können, liegt falsch. Die Züchter arbeiten immer an mehreren Projekten gleichzeitig,
da es ja mindestens 3 Jahre dauert bis man Ergebnisse sieht. Und dann ist auch nicht zu 100% klar, dass man sein Wunschtier aus der Verpaarung bekommt, da die ganzen Genetikrechnereien Wahrscheinlichkeiten sind.
Unter 16 möglichen Nachkommen KÖNNTE dann ein Tier der gewünschten Variante sein und es gibt Tiere mit teilweise vier oder 5 hets. Es können theoretisch alle Tiere die Mutation zeigen oder auch gar keins. Stelle ich mir sehr frustrierend vor!
Was wirklich schön ist: durch die zahlreichen Varianten kann man sich genau das Tier aussuchen, welches einem am besten gefällt. Ich habe mir meine Böcke alle rein nach der Optik ausgesucht. Da
ich mit Kornnattern nicht züchten will, spielte die Genetik und mögliche hets keine Rolle. Mir haben es die grauen bzw weißen Varianten angetan und somit habe ich vier davon im Bestand:
einen ganz normalen Anery, einen Anery Miami Greyhead, einen Silverqueen (Miami Ghost, Photo oben rechts) Greyhead und einen Snow Miami Greyhead, Photo unten(davon gibt es weltweit nur extrem wenige, der Züchter vermutet sogar nur zwei!). Um ein wenig Farbe ins Spiel
zu bringen habe ich noch einen normalen Miami Bock, einen Caramel und einen Blood (Photo links). Alle Nattern sind von Holger, einem Züchter aus Moers (Link zur HP unter "Links").
Er hat wirklich tolle Schlangen und die Greyhead Linie (die Tiere haben einen fast zeichnungslosen grauen Kopf)
haben in Deutschland nicht viele, da es sich um eine Auswahlzucht handelt, die nochmal anderen Gesetzen folgt als die anderen genetischen Zuchten. Aber sie sind einfach echt schick! D
Ich kann nur jedem Neueinsteiger raten, lest alle Bücher zum Thema Kornnattern, die ihr in die Finger bekommt. Lest euch viel im Internet in Foren durch, glaubt aber da nicht alles :) Bildet euch eure eigene Meinung. Sucht euch einen guten Züchter, der die Farbvariante eurer Wahl züchtet und fragt ihm bei eurem Besuch ein Loch in den Bauch. Seht euch gut seine Anlage an und wie er seine Terrarien eingerichtet hat. Da lernt man eine Menge und auf jeden Fall ist den Aussagen eines Züchters, der die Tiere seit 10 oder 15 Jahren hält, mehr Gewicht zuzusprechen als Forenbeiträgen von Leuten, die seit ein paar Wochen Kornnattern halten und meinen sie wüßten alles!